Janis Mengel „Titel: jesse_003.obj“ 10.06.2021

10. Juni 2021 - Ruth Rubers

Mit den Händen formen. Ganz in Ruhe jeden einzelnen Punkt einer Figur untersuchen, sie aufteilen in tausende kleine geometrische Formen, und sich die Zeit nehmen um alles wieder zu einem großen Ganzen zusammen zu setzen. Fehler finden und Ausbessern, bis es nicht mehr geht.

Alles fängt mit einem menschlichen Körper an. Keine Kleidung, kein Schmuck, keine Tätowierungen; nichts, was Rückschlüsse auf Herkunft oder sozialen Stand erlaubt. Ein Grundgerüst, immer gleich im Aufbau, trotzdem jedes mal ein bisschen anders. Es tut gut, einen Startpunkt zu haben. Eine Form, die nach bestimmten Regeln funktioniert, die Generationen vor mir als Motiv nutzten und über Jahrtausende an ihrer Darstellung feilten.

Die Fähigkeit zu erlernen, einen menschlichen Körper stimmig und fehlerfrei nachzubilden kostet Jahre. Oder einen 3D-Scanner.

Zur Zeit ist es schwierig bis unmöglich Aktzeichen oder -modellierkurse zu besuchen, deshalb wird eine Fotoserie aus dem Internet herhalten müssen. Die formgebende Arbeit lasse ich vom Computer übernehmen. Ein Programm wird mit einer Reihe von 20 Fotos eines Aktmodelles in klassischer Pose gespeist. Nach mehreren Stunden Rechenzeit ist daraus ein dreidimesionale Struktur entstanden. Diese drucke ich mir Vorlage.

Nun beginnt der beste Teil meiner Arbeit. Ich baue ein stützendes Gerüst, lege ein Raster an, messe jeden Punkt des Modells aus und übertrage die mir vorgegebene Form in eine Tonfigur. Es ist eine entspannte, fast meditative Art des Arbeitens. Die Form steht fest, alles ist messbar. Kügelchen für Kügelchen trage ich nun auf, einen Punkt nach dem Anderen greife ich mit dem Zirkel ab, skaliere ihn auf die zehnfache Größe und lege ihn im Ton an.

Stunden, Tagen, Wochen arbeite ich so. Als sie endlich fertig ist, gieße ich die mittlerweile mehr als 200 Kg schwere Tonfigur, die mitten in meinem Wohnzimmer steht, in Gips ab, um eine beständige Form zu haben.

Nach einem mühsamen Transport nach Bremen und dem Ausbessern einiger Macken wird die 1,90m große Gipsfigur nun vom 26.6. bis 5.7. im Ausstellungsraum des Kunstvereins Springhornhof zu sehen sein.