Ausstellungseröffnung 26.06.2021 um 15:00

Pressetext
Forced Feral / Erzwungene Verwilderung 
Nicht ohne meine Kaffeeschuhe! Und nur mit Muschelschalen voller Marmelade nähern wir uns den Landschaftskunstwerken des Kunstvereins Springhornhof in der Lüneburger Heide. Direktorin Bettina von Dziembowski lud die Studierenden der Klasse Kayle Brandon/Ruth Rubers/Ingo Vetter/Olav Westphalen von der Hochschule für Künste Bremen nach Neuenkirchen ein, um mit dem Kunstverein und den seit den 1960er Jahren entstandenen und heute rund 40 Werke umfassenden Skulpturen im offenen Landschaftsraum zu arbeiten. Die Corona-Pandemie veränderte alles, die Formen der physischen und sozialen Auseinandersetzung, durchdrang Planung, Umsetzung, Kommunikation und Vermittlung. Die Pandemie wurde zur Bedingung dessen, was wir „Erzwungene Verwilderung“ nennen. 
Aus den normalen, alltäglichen, gewohnten, sozialen und räumlichen Beziehungen heraus gedrängt und in den Sicherheitsbereich von Hygiene- und Abstandsregelungen getrieben zu werden, erzeugte Nebeneffekte, die durch uns hindurchwirkten. Mit wenigen Orten, an die wir gehen konnten, wanderten wir gleichzeitig in die Natur und in virtuelle Konferenzräume. In der Abwesenheit des gewohnten Alltagslebens keimte ein Zustand der Verwilderung auf.
Seit Frühjahr 2020 waren wir regelmäßig vor Ort, trafen uns im Kunstverein und okkupierten das Gastatelier. Wegen Corona durften wir nicht mehr als Gruppe auftreten, stattdessen tauchten einzelne Studierende in die Umgebung ein. Einsinken und sich vertraut machen mit den Orten wurde von der Pandemie mitgestaltet. Aufkommende Wünsche wurden durchdacht und sogar das Zelten im Winter schien eine gute Idee zu sein. Es wurde viel herumgelaufen oder fahrradgefahren und mit den Menschen der Gegend geredet, weil es so viele Dinge gab, von denen wir keine Ahnung hatten: Ortstein, Tiefpflügen, furzende Kühe oder wieder eingewanderte Wölfe. 
Bei unserer Suche nach Anknüpfungspunkten und Verbindungen waren formale skulpturale Mittel wenig hilfreich. Stattdessen konnten wir uns dem Thema mit Pilzesammeln, Verirren, nassen Füßen und schmutzigen Händen, Tinder-Wischen oder Sitzen in Bäumen nähern. Es wurde viel gegraben, vergraben, geklettert und ausgegraben. Entstanden sind 17 neue Werke, die menschliche und nicht-menschliche Beziehungen verweben, Angebote für ein Miteinander schaffen oder Orte neu erschließen. Entlang des Hahnenbachs zwischen Neuenkirchen und Rutenmühle finden sich nun monumentale Betonskulpturen, ein bemalter Baum im Wald, ortsbezogene Performances bis hin zu Foto- und Videoarbeiten oder filigranen 3D-Drucken im Springhornhof selbst.
Die Werke sprechen miteinander und suchen die Aufmerksamkeit der Besucher des Springhornhofs, der Gemeinde Neuenkirchen, der Pflanzen-, Tier-, Pilz- und Virenwelt, der industrialisierten Felder, der Steine und der schlammigen Begierden. Die künstlerischen Arbeiten werden zu Fäden eines Gewebes und – um bei der Metapher von Donna Haraway zu bleiben – wenn an einem Faden gezogen wird, offenbaren die Verbindungen eine Bewegung im gesamten Gewebe.
Zu sehen sind neue Landschaftskunstwerke und künstlerische Interventionen von Siman Chen, Yunna Diao, Ada Hillebrecht, Eunhye Kim, Stéphane Krust, Ruth Lübke, Quin Maclennan, Janis Mengel, Philipp Michalski, Anne Nitzpan, Minjeong Park, Laura Pientka, Paul Putzier, Ole Prietz, Martin Reichmann, Berit Riekemann, Seung Hyun Seo, Nala Tessloff, Jana Thiel, Kaori Tomita und Raphael Wutz. Betreut wird das Projekt von Kayle Brandon, Bettina von Dziembowski, Ruth Rubers, Ingo Vetter, Olav Westphalen und Monika Zimmermann.
Eröffnung im Springhornhof am Samstag 26. Juni 2021 um 15:00 Uhr mit Performance und Gartenfest
Ausstellung von 27. Juni bis 04. Juli von 14:00 bis 17:00 Uhr, Montag geschlossen
Finissage am Sonntag 04. Juli um 11:00 Uhr mit geführter Radtour zu den Landschaftskunstwerken, anschließend Holzofenbrand und Grillen im Garten.
Kunstverein & Stiftung Springhornhof e.V.
Tiefe Straße 4, 29643 Neuenkirchen (bei Soltau)
Telefon 05195 933963, Web springhornhof.de
Forced Feral / Erzwungene Verwilderung ist ein Projekt des Kunstvereins Springhornhof e.V. und der Hochschule für Künste Bremen, gefördert durch die Stiftung Niedersachsen und den Niedersächsischen Landschaftsverband, Karin und Uwe Hollweg Stiftung, Waldemar Koch Stiftung, Fonds Innovative Lehre und Freundeskreis der Hochschule für Künste Bremen.
Press release
Forced Feral / Erzwungene Verwilderung 
Not without my coffee shoes! And only with clamshells full of jam do we approach the landscape artworks of the Kunstverein Springhornhof in the Lüneburg Heath. Director Bettina von Dziembowski invited the students of the Kayle Brandon/Ruth Rubers/Ingo Vetter/Olav Westphalen class from the Hochschule für Künste Bremen to Neuenkirchen to work with the Kunstverein and the sculptures in the open landscape space, which have been created since the 1960s and now number around 40 works. The Corona pandemic changed everything, the forms of physical and social engagement, permeated planning, implementation, communication and mediation. The pandemic became the condition of what we call  “Forced Feral”. 
Forced out of the normal, everyday habitual social and spatial relationships and herded into the safety perimeter of lockdown, created side effects that worked through us. With limited places to go, we simultaneously migrated into nature and virtual conference rooms.  In the absence of habitual daily-life a state of feralism sprouted.
Since spring 2020 we were regularly on site, meeting at the Kunstverein and occupying the guest studio. Because of Corona, we were no longer allowed to perform as a group and instead individual students wondered into the surroundings. Sinking in and getting familiar with the environment became co-created by the pandemic, desires sifted and even camping in the winter seemed like a good idea. A lot of walking, cycling and talking to local people took place, as there were many things we had no idea about: Hardpan, deep ploughing, farting cows and re-wilded wolves. 
In our search for starting points and connections, formal sculptural means were of little help. Instead, we could approach it with mushroom picking, getting lost, wet feet and dirty hands, tinder swiping and sitting in trees. There was a lot of digging, burying, climbing and excavating. The result is 17 new works that weave human and non-human relations, create offers for togetherness or open up places in a new way. Along the Hahnenbach between Neuenkirchen and Rutenmühle, you can now find monumental concrete sculptures, a painted tree in the forest, sitespecific performances to photo and video works or filigree 3D prints in the Springhornhof itself.
The works talk and seek attention from one another, the landscape art collection, visitors to Springhornhof, to the community of Neuenkirchen, plant, animal, fungi, virus kingdoms, industrialised fields, stones and muddy desires. The artistic works become threads of a fabric and – to stay with Donna Haraway’s metaphor – when a thread is pulled, the links reveal a movement in the entire fabric.
On view are new landscape artworks and artistic interventions by Siman Chen, Yunna Diao, Ada Hillebrecht, Eunhye Kim, Stéphane Krust, Ruth Lübke, Quin Maclennan, Janis Mengel, Philipp Michalski, Anne Nitzpan, Minjeong Park, Laura Pientka, Paul Putzier, Ole Prietz, Martin Reichmann, Berit Riekemann, Seung Hyun Seo, Nala Tessloff, Jana Thiel, Kaori Tomita and Raphael Wutz. The project is supervised by Kayle Brandon, Bettina von Dziembowski, Ruth Rubers, Ingo Vetter, Olav Westphalen and Monika Zimmermann.
Opening at Springhornhof on Saturday 26 June 2021 at 15:00 with performance and garden party.
Exhibition from 27 June to 04 July from 14:00 to 17:00, closed on Monday 
Finissage on Sunday 04 July at 11:00 with guided bike tour to the landscape artworks, followed by kiln firing and barbecue in the garden.
Kunstverein & Stiftung Springhornhof e.V.
Tiefe Straße 4, 29643 Neuenkirchen (near Soltau)
Phone 05195 933963, Web springhornhof.de
Forced Feral / Erzwungene Verwilderung is a project of the Kunstverein Springhornhof e.V. and the Hochschule für Künste Bremen, supported by the Stiftung Niedersachsen und den Niedersächsischen Landschaftsverband, Karin und Uwe Hollweg Stiftung, Waldemar Koch Stiftung, Fonds Innovative Lehre and Freundeskreis of the Hochschule für Künste Bremen.