Forced Feral im Taubenheim, Open Space Domshof

Forced Feral / Erzwungene Verwilderung 

Nicht ohne meine Kaffeeschuhe! Und nur mit Muschelschalen voller Marmelade waren die Reaktionen der Studierenden der Klasse Kayle Brandon/Ruth Rubers/Ingo Vetter/Olav Westphalen von der Hochschule für Künste Bremen auf die Einladung, mit der Sammlung von Landschaftskunstwerken des Kunstvereins Springhornhof in der Lüneburger Heide zu arbeiten. Die Corona-Pandemie veränderte alles, die Formen der physischen und sozialen Auseinandersetzung, durchdrang Planung, Umsetzung, Kommunikation und Vermittlung. Die Pandemie wurde zur Bedingung dessen, was wir „Erzwungene Verwilderung“ nennen. 

Aus den normalen, alltäglichen, gewohnten, sozialen und räumlichen Beziehungen heraus gedrängt und in den Sicherheitsbereich von Hygiene- und Abstandsregelungen getrieben zu werden, erzeugte Nebeneffekte, die durch uns hindurchwirkten. Mit wenigen Orten, an die wir gehen konnten, wanderten wir gleichzeitig in die Natur und in virtuelle Konferenzräume. In der Abwesenheit des gewohnten Alltagslebens keimte ein Zustand der Verwilderung auf.

Seit Frühjahr 2020 waren wir regelmäßig vor Ort, trafen uns im Kunstverein und okkupierten das Gastatelier. Wegen Corona durften wir nicht mehr als Gruppe auftreten, stattdessen tauchten einzelne Studierende in die Umgebung ein. Einsinken und sich vertraut machen mit den Orten wurde von der Pandemie mitgestaltet. Aufkommende Wünsche wurden durchdacht und sogar das Zelten im Winter schien eine gute Idee zu sein. Es wurde viel herumgelaufen oder fahrradgefahren und mit den Menschen der Gegend geredet, weil es so viele Dinge gab, von denen wir keine Ahnung hatten: Ortstein, Tiefpflügen, furzende Kühe oder wieder eingewanderte Wölfe. 

Bei unserer Suche nach Anknüpfungspunkten und Verbindungen waren formale skulpturale Mittel wenig hilfreich. Stattdessen konnten wir uns dem Thema mit Pilzesammeln, Verirren, nassen Füßen und schmutzigen Händen, Tinder-Wischen oder Sitzen in Bäumen nähern. Es wurde viel gegraben, vergraben, geklettert und ausgegraben. Entstanden sind 10 neue Werke in der offenen Landschaft, von monumentalen Betonskulpturen bis zur kleinen Kimchi-Hütte und weitere 12 neue Arbeiten für den Ausstellungsraum. 

Für die Präsentation im Taubenheim des Open Space zeigen wir großformatige Bilder der Landschaftskunstwerke sowie die „Non-Site“ Werke, also Arbeiten, die ihren Ausgangspunkt in der Landschaft haben, jedoch für eine Repräsentation im Ausstellungsraum entwickelt wurden: Performances, Skulpturen, Foto- und Videoarbeiten oder filigrane 3D-Drucke.

Zu sehen sind neue Landschaftskunstwerke und künstlerische Interventionen von Siman Chen, Yunna Diao, Ada Hillebrecht, Eunhye Kim, Stéphane Krust, Ruth Lübke, Quin Maclennan, Janis Mengel, Philipp Michalski, Anne Nitzpan, Minjeong Park, Laura Pientka, Paul Putzier, Ole Prietz, Martin Reichmann, Berit Riekemann, Seung Hyun Seo, Nala Tessloff, Jana Thiel, Kaori Tomita und Raphael Wutz.

Betreut wird das Projekt von Kayle Brandon, Bettina von Dziembowski, Ruth Rubers, Ingo Vetter, Olav Westphalen und Monika Zimmermann.

Silent Opening im Taubenheim des Open Space Domshof am Dienstag 20. Juli 2021 um 12:00 Uhr mit Kimchi-Brötchen Performance

Ausstellung von 20. Juli bis 24. Juli 2021, Öffnungszeiten Dienstag und Mittwoch von 12:00 bis 18:00 Uhr, Donnerstag bis Samstag von 10:00 bis 19:00 Uhr.

Forced Feral / Erzwungene Verwilderung ist ein Projekt des Kunstvereins Springhornhof e.V. und der Hochschule für Künste Bremen, gefördert durch die Stiftung Niedersachsen und den Niedersächsischen Landschaftsverband, Karin und Uwe Hollweg Stiftung, Waldemar Koch Stiftung, Fonds Innovative Lehre und Freundeskreis der Hochschule für Künste Bremen.

Programm Juli 2021

Klasse Kayle Brandon, Ruth Rubers & Ingo Vetter
Immernoch Corona – das Sommersemester 2021 wird sowohl online als auch in Präsenz stattfinden. Es sollen möglichst viele Einzel- und Kleingruppengespräche in Präsenz stattfinden, das ist jedoch von den jeweils geltenden Corona-bedingten Regelungen abhängig. Das Plenum wird online über Microsoft Teams veranstaltet. Einzelgespräche sollen möglichst im Atelier stattfinden und nur als Ausnahme online über Teams. Sobald die Möglichkeit besteht, wird auch Kayle wieder regelmäßig nach Bremen kommen.

Landschaftskunst
In den letzten beiden Semestern haben wir Projekte für die Landschaftskunstsammlung des Springhornhofs entwickelt. Die Umsetzungen dieser Projekte laufen nun bis zur abschließenden Ausstellung Ende Juni 2021. Entsprechend werden wir viel Zeit in der Lüneburger Heide verbringen.
Hier geht es zur Ausstellung „Forced Feral“.

Einzelgespräche
Jede/r sollte mindestens einen Termin bei Kayle und/oder Ingo buchen. Bereitet die Einzelgespräche bitte gut vor! Schickt uns spätestens einen Tag vor dem Gespräch Bilder und Videos von, oder eventuelle Texte zu den Arbeiten, die ihr besprechen wollt. Natürlich könnt ihr auch Skizzen und Beschreibungen von geplanten Arbeiten schicken.

Plenum
Im Plenum sollen wie immer einzelne eurer Arbeiten in der Gruppe besprochen werden. Außerdem werden hier die Schritte zu den Landschaftskunstprojekten vorgestellt und besprochen.

Woche 26
Individual talks with Kayle on Zoom by appointment
Dienstag 29.06.2021 – Sonntag 04.07.2021

Forced Feral – Ausstellung Springhornhof & Veranstaltungsprogramm
Donnerstag 01.07.2021
11:00 – 13:00 Plenum in Präsenz am Open Space Domshof
Sonntag 04.07.2021
11:00 Springhornhof: Start der Fahrradtour und Führung durch die Aussenarbeiten
13:00 BBQ und Holzofenbrand
17:00 Beginn Abbau

Woche 27
Individual talks with Kayle on Zoom by appointment
Montag 05.07.2021

Rücktransport der Ausstellung Springhornhof
Dienstag 06.07.2021 – Sonntag 11.07.2021
Planning, preparations and discussions for a presentation of Forced Feral at Open Space in Bremen later this Summer.
Dienstag 06.07.2021
Individual talks with Ingo on Teams or at HfK:
10:00 _______
11:00 _______
Ingo: 13:00 Dekanat
Mittwoch 07.07.2021
Ingo: 10:00 Stuko FK, 14:00 Fachbereichsrat
18:00 Teams: Vortragsreihe Freie Kunst: Rajkamal Khalon
Donnerstag 08.07.2021
10:00 – 13:00 Hybrid Plenum with Kayle & Ingo in presence at HfK and online on Teams
18:00 Meisterschüler*innenvorträge
Freitag 09.07.2021

Vorlesungsende

Woche 28
Vorbereitungen für die Ausstellung von Forced Feral im Influencers Taubenheim, der Ausstellungshalle des Fachbereichs Kunst und Design im Open Space Domshof

Woche 29
Montag 19.07.2021
Ausstellungsaufbau
Dienstag 20.07.2021

12:00 Eröffnung
Dienstag 20.07.2021 – Samstag 24.07.2021
Forced Feral – Ausstellung im Influencers Taubenheim, der Ausstellungshalle des Fachbereichs Kunst und Design im Open Space Domshof
Samstag 24.07.2021
19:00 Ausstellungsende und Abbau
Sonntag 25.07.2021

Rücktransport zur Hochschule – bis 13:00 muss alles raus sein

Schönen Sommer euch allen!

Hier gibt es das vorläufige Programm für das ganze Sommersemester.

Kayle Brandon als Lehrvertretung in der Klasse

Während meiner Amtszeit als Dekan wird es eine 50% Lehrvertretung in der Betreuung der Klasse geben. Ab dem Wintersemester 2020/21 wird Kayle Brandon, Künstlerin aus Bristol, diese Aufgabe übernehmen und eine Woche im Monat eine Blockveranstaltung anbieten. Termine werden auf dem Kalender angekündigt. Die übrigen Wochen werde ich wie gewohnt Plenum und Einzelgespräche anbieten.

Hier ein Artist-Statement:

Kayle Brandon is a inter-disciplinary artist situated in the public-social domain and working in regular collaboration and participation with other artists, communities and audiences. Her practice is process-led and centred in art and activism’s potential to create autonomous explorations into social and spatial relations that influence experiences of place and identity. Works often focus on interests in post-coloniality, social justice, open-source, ecology, interspecies relations and spaces of urban and natural entanglement.  Mediums include; performance, live events, time-based media, sculpture, drawing and writing.
Currently Brandon is working with Angela Piccini and other artists on a platform called Association of Unknown Shores, which involves artists, organisations, and communities based in Bristol UK and Iqaluit Nunavut to address the colonial legacies that continue to force the two places together. Their current work-in-progress, Our Sceptre, is a collaboration with Cleo Lake (artist and former Deputy Lord Mayor of Bristol) and Janet Pitsiulaaq Brewster (artist and Deputy Mayor of Iqaluit).

More information: http://irational.org/kayle/

 

 

Landschaftskunst

Um die Isolation der Corona Epidemie zu überstehen, erscheint es notwendig, den Horizont möglichst weit zu öffnen und künstlerisch groß zu denken. In Kooperation mit Bettina von Dziembowski, der Direktorin des Kunstvereins Springhornhof und der Landschaftskunstsammlung in und um Neuenkirchen in der Lüneburger Heide, entwickeln wir Interventionen zur Landschaftskunst. Im Sommersemester sollen die Grundlagen gelegt werden, die vorlesungsfreie Zeit dient der Projektentwicklung und im Herbst sollen die Arbeiten umgesetzt werden.

Texte und weitere Materialien gibt es auf der Teams-Seite der Klasse Ingo Vetter & Olav Westphalen. Hier Aufnahmen der drei ersten Vorträge zum Thema:


Ingo Vetter, Functional Sculpture, Lecture 04.05.2020


Olav Westphalen, Lifelike Art – Artlike Life, Lecture 07.05.2020


Bettina von Dziembowski, Springhornhof, Vortrag 13.05.2020

STATUS

 


KLASSE INGO VETTER IN DER GAK
26. Mai – 03. Juni 2018

ADA HILLEBRECHT, SEUNG HYUN SEO, EUNHYE KIM, SANG HYUK KIM, STEPHANE KRUST, RUTH LÜBKE, MATTIS LÜHMANN, JANIS MENGEL, PHILIPP MICHALSKI, MIRIAM MÜLLER, MICHELLE OULLET, LAURA PIENTKA, PAUL PUTZIER, MARTIN REICHMANN, VICC REPASI, HASSAN SHEIDAEI, ZHENHONG SONG, LINDA ELLEN TESSLOFF

Kuratiert von Asima Amriko

Hier gibt es Bilder von der Klassenausstellung in der GAK.

Umsetzen/Übersetzen

Das Buch mit den Recherchenergebnissen unserer Asienexkursion ist erschienen!

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Umsetzen/Übersetzen – Ein Bericht über Produktionsstätten internationaler Kunst in Asien 
Wie entstehen Kunstwerke und insbesondere monumentale Skulpturen der globalen Ausstellungsmaschinerie von Biennalen und Großausstellungen heute? Dies war die Ausgangsfrage des Projektes “Künstlerische Materialien und Produktion in der Globalisierung“ an der Hochschule für Künste Bremen. Die Recherche begann mit dem Hinterfragen der eigenen Praxis in den Studios und Werkstätten der Hochschule, führte zu den Mega-Ateliers von Joep van Lieshout oder Olafur Eliasson und schließlich nach Thailand, Vietnam, Hongkong und Südchina, um Produktionsstätten zeitgenössischer Kunst zu besuchen. Besonders interessierten uns hier Orte, an denen im globalen Kunstbetrieb agierende KünstlerInnen ihre Werke für internationale Ausstellungen realisieren lassen. Wir dokumentierten die Werkstätten, sprachen mit den LeiterInnen, MitarbeiterInnen und anwesenden KünstlerInnen und fragten nach Kommunikationsformen, Entscheidungsprozessen und Übersetzungsproblemen.